Frage: Wie können Ressourcen in einem Unternehmen gerecht und effizient eingesetzt werden?

 

Antwort: Wie zwei Wissenschaftler der Universitäten Göteborg und Växjö (Schweden) in einer Untersuchung mit 190 Teilnehmerinnen und Teilnehmern herausgefunden haben, ist Gleichheit dann wichtig, wenn soziale Harmonie im Vordergrund steht. Sie dominiert unter statusgleichen Personen, die ein gemeinsames Ziel haben, und sichert allen Beteiligten ein akzeptables Mindestmaß. Allerdings geht diese Art der Gleichheit häufig auf Kosten der Ergebnisse: Stehen die Effizienz und Effektivität von Entscheidungen im Vordergrund, sollten Prinzipien der Nutzenmaximierung herangezogen werden.

 

Gleiche Verteilung = Gerechtigkeit?

Einen Kuchen kann man in mehrere gleich große Teile schneiden – oder eben nicht. Doch anhand welcher Kriterien soll man entscheiden, wie der Kuchen geteilt wird und wer welches Stück bekommt? Das Gleichheitsprinzip kommt einem bei Aufteilungsfragen als Erstes in den Sinn. Doch Gleichheit ist nicht gleich Gerechtigkeit. Den Profit unter den Mitgliedern eines Teams gleichmäßig aufzuteilen, birgt die Gefahr, dass die Leistungsstarken benachteiligt werden, während die Mitläufer einen größeren Anteil erhalten, als ihnen gemessen an ihrer Leistung zusteht.

 

Die Untersuchung 1: Durchführung

Zwei schwedische Forscher wollten wissen, wie sich Menschen in solchen Entscheidungsprozessen verhalten. Es ging um die Frage, in welchen Situationen sie die Gleichverteilung von Ressourcenbevorzugen und wann sie sich für die Nutzenmaximierung anstelle der Fairness entscheiden.

Im Rahmen einer Fragebogenuntersuchung zum Thema „Entscheidungsfindung und Fairness“ waren 95 Beschäftigte verschiedener Firmen und 95 Studentinnen/Studenten angehalten, als Mitglieder einer fiktiven Firma über die Verteilung von Geldern für die Mitarbeiterentwicklung zu entscheiden. Es sollte untersucht werden, ob sich Menschen unterschiedlich verhalten, wenn nur die Nutzenmaximierung zu berücksichtigen ist oder wenn auch soziale Aspekte eine Rolle spielen. Anders ausgedrückt: Wann steht die Gleichheit im Vordergrund, wann das Nutzenprinzip?

Die Wissenschaftler bildeten vier Gruppen, die unter unterschiedlichen Voraussetzungen die Budgetierung vornehmen sollten. Die erste Gruppe hatte über die finanziellen Mittel des eigenen Teams im laufenden und im kommenden Jahr zu entscheiden. Die zweite Gruppe hatte die Aufgabe, das Budget eines ihr unbekannten Teams für zwei Jahre zu bestimmen. Für beide Gruppen spielten soziale Erwägungen mithin keine Rolle. Die Mitglieder der dritten und vierten Versuchsgruppe mussten sich hinsichtlich des Budgets zwischen jeweils zwei Teams entscheiden: Die Ressourcen für das laufende Jahr sollten für ein bekanntes und ein fremdes Team bewilligt werden (Gruppe 3) beziehungsweise zwischen dem eigenen und einem fremden Team aufgeteilt werden (Gruppe 4). Für diese beiden Gruppen kam also noch der Aspekt des Sozialvergleichs ins Spiel.

Zur Auswahl standen die Verteilungsalternativen Gleichverteilung, Nutzenmaximierung, Zuteilung zugunsten des eigenen Teams und Zuteilung zugunsten des anderen Teams. Zusätzlich sollten die Studienteilnehmer(innen) für jeden der Fälle die jeweils fairste und die beste Alternative bestimmen.

 

Die Untersuchung 2: Ergebnisse

  • Gleichverteilung der Mittel wurde am häufigsten als fairste Möglichkeit gewählt.

  • Gleichverteilung wurde nur von denjenigen Versuchsteilnehmern/-teilnehmerinnen als fairste Methode bezeichnet, die die Gelder auf zwei verschiedene Gruppen verteilen sollten.

  • Nutzenmaximierung wurde am häufigsten als die beste Alternative bezeichnet.

  • Nutzenmaximierung wurde häufiger von den Versuchsteilnehmern/-teilnehmerinnen gewählt und als die beste Möglichkeit genannt, die über die Verteilung der Gelder für nur eine Gruppe zu entscheiden hatten.

Gleichheit schien also Teil eines Fairness-Konzepts zu sein, wohingegen die Nutzenmaximierung als die beste Variante galt. Besonders bei der Aufteilung der Finanzen einer Gruppe wurde sie favorisiert. Allerdings ist es auch ungleich einfacher, Gelder auf zwei Zeitpunkte aufzuteilen statt auf zwei konkurrierende Teams.

Übrigens: Die Struktur der fiktiven Organisationen – teamorientiert oder individuell-konkurrierend – hatte keinen Einfluss auf die Entscheidungen der Versuchsteilnehmer(innen).

 

Hinweise für die Praxis

Verschiedene Studien belegen, dass Unzufriedenheit über Verteilungsentscheidungen seltener auftritt, wenn es klare Zuteilungsregeln für finanzielle Zuwendungen gibt. Sie reduzieren die Gefahr der „heißen Schlacht am kalten Buffet“. Darüber hinaus weckt (vermeintliche oder tatsächliche) Statusgleichheit den Wunsch nach einer Gleichverteilung der Ressourcen. Ist eine hierarchische Struktur vorgegeben, fügen sich die Beteiligten in der Regel eher in ihre Rollen. Fehlt diese Struktur, sind Gruppen häufig sogar geneigt, einen Hierarchiekampf auszufechten, bis eine Rangfolge feststeht.

Wer allen Beteiligten die gleichen Anteile zugesteht, geht zweifellos auf Nummer sicher. Damit kann man nicht viel falsch machen, macht aber auch nicht viel richtig, und am Ende steht für jeden nur der minimal zu akzeptierende Anteil. Misstrauen ist angezeigt, wenn ein Budget oder ein Gewinn zu gleichen Teilen aufgegliedert wurde. Möglicherweise liegt diesem Entschluss ein zu starkes „Bauchgefühl“ zugrunde, was sich bei rationaler Betrachtung als Fehlentscheidung herausstellt.

 

Quelle: Daniel Eek/Marcus Selart: Effects of Evaluation Dimension and Social Comparison on Choices of Al­location Principles, in: Göteborg Psychological Reports 34 (2004), Nr. 1

Zur Vertiefung: H. S. Bansal/P. A. Voyer: Word of Mouth Processes within a Services Purchase Decision Context, in: Journal of Service Research 3 (2000), Nr. 2, S. 166–177Stichwort: Unternehmenskultur